Ein Momentvon Bidolision

Menschen und Ideen

Andere Blickwinkel.
Eigene Entdeckungen.

Was können uns Ideen aus der Psychologie im Alltag zeigen? Hier lernst du unterschiedliche Perspektiven kennen, auch was davon heute als überholt oder umstritten gilt, und entscheidest selbst, welche Fragen dich weiterbringen.

Wie du diese Inhalte einordnen kannst

Die folgenden Denkanstösse sind unsere eigenen Formulierungen, keine Zitate oder Therapieanleitungen. Historische Konzepte und heutige Ansätze haben unterschiedliche wissenschaftliche Grundlagen. Die genannten Menschen und Institutionen sind keine Mitwirkenden an diesem Angebot. Eine fachliche Begutachtung unseres Prototyps steht noch aus.

Psychoanalyse

Sigmund Freud

Unbewusstes, Abwehr und die Kraft des Gesprächs

Die Idee

Freud begründete um 1900 in Wien die Psychoanalyse. Er ging davon aus, dass vieles von dem, was wir fühlen und tun, von Wünschen, Ängsten und Erinnerungen beeinflusst wird, die uns nicht bewusst sind, und dass das Aussprechen dieser Zusammenhänge entlasten kann.

Was heute noch trägt

Dass nicht alles, was uns lenkt, bewusst abläuft, ist in der Psychologie heute breit anerkannt, auch wenn es meist anders erklärt wird als bei Freud. Ebenso die Beobachtung, dass Menschen unangenehme Gefühle abwehren, etwa indem sie etwas ausblenden oder sich nachträglich rechtfertigen, und dass frühe Beziehungserfahrungen nachwirken können. Heutige psychodynamische Therapien führen diese Gedanken weiter, und für sie gibt es Wirksamkeitsstudien.

Was als überholt gilt

Die feste Abfolge psychosexueller Entwicklungsphasen, der Ödipuskomplex als allgemeingültiges Muster, die Deutung fast aller Träume als verkleidete Wunscherfüllung und viele seiner Aussagen über Frauen gelten heute als nicht haltbar oder als Ausdruck ihrer Zeit.

Was kritisch gesehen wird

Viele seiner Annahmen lassen sich kaum überprüfen, weil sie fast jedes Verhalten im Nachhinein erklären können; der Philosoph Karl Popper nannte die Psychoanalyse deshalb nicht widerlegbar. Seine Fallgeschichten beruhen auf wenigen Menschen und auf seinen eigenen Aufzeichnungen. Um 1896 sah er Missbrauch in der Kindheit zunächst als Ursache vieler Beschwerden an und gab diese Erklärung etwa ein Jahr später weitgehend auf. Warum, und ob Missbrauch dadurch lange zu wenig ernst genommen wurde, ist bis heute umstritten.

Was wir daraus mitnehmen können

Wenn sich etwas immer wiederholt, obwohl du es anders willst, hilft Neugier oft mehr als Selbstvorwurf. Ein Muster kann einmal einen Sinn gehabt haben, ohne dass du es behalten musst.

Was vermeide ich gerade, und wovor schützt mich dieses Vermeiden vielleicht?

Unser Denkanstoss, kein Freud-Zitat

Freuds Begriffe eignen sich nicht dazu, andere Menschen zu deuten oder sich selbst eine Diagnose zu stellen.

Quelle: Sigmund Freud Museum Wien ↗Kritik und Einordnung: Internet Encyclopedia of Philosophy ↗Übersichtsarbeit: Shedler, American Psychologist 2010 ↗Kurs, Tag 4: Was ich vermeide

Analytische Psychologie

Carl Gustav Jung

Selbstentwicklung und innere Vielschichtigkeit

Die Idee

Jungs Analytische Psychologie beschäftigt sich unter anderem mit bewussten und unbewussten Anteilen des Erlebens. Der Begriff Individuation beschreibt in diesem Ansatz einen Prozess persönlicher Entwicklung.

Was wir daraus mitnehmen können

Das eigene Selbstbild darf sich verändern. Eine Rolle, die du im Alltag einnimmst, muss nicht alles ausdrücken, was dir wichtig ist.

Wo handle ich gerade so, wie es von mir erwartet wird, und was wäre mir selbst wichtig?

Unser Denkanstoss, kein Jung-Zitat

Ein historischer Deutungsansatz. Aus einer einzelnen Reaktion lassen sich keine verborgenen Persönlichkeitsmerkmale ableiten.

Quelle: C.G. Jung-Institut Zürich ↗Mich selbst besser kennenlernen

Individualpsychologie

Alfred Adler

Zugehörigkeit und soziales Miteinander

Die Idee

Adlers Individualpsychologie betrachtet Menschen in ihrem sozialen Zusammenhang. Zugehörigkeit, Zusammenarbeit und der Beitrag zur Gemeinschaft nehmen darin einen wichtigen Platz ein.

Was wir daraus mitnehmen können

Beim Nachdenken über uns selbst können auch Beziehungen und unser Umfeld wichtig sein. Ein hilfreicher Schritt muss kein grosser persönlicher Erfolg sein; manchmal ist es eine kleine Form von Verbindung.

Wo fühle ich mich zugehörig, und welchen kleinen Beitrag möchte ich dort leisten?

Unser Denkanstoss, kein Adler-Zitat

Eine ausgewählte Perspektive seines Ansatzes, keine vollständige Erklärung für das Verhalten eines Menschen.

Quelle: Adler Graduate School ↗Auf meinen Alltag schauen

Sozialpsychologie und Psychoanalyse

Erich Fromm

Haben oder Sein, und wie Gesellschaft uns prägt

Die Idee

Erich Fromm (1900 bis 1980), Psychoanalytiker und Sozialpsychologe aus Frankfurt, verband die Psychoanalyse mit der Frage, wie eine Gesellschaft den Charakter ihrer Menschen formt. Er schrieb über Freiheit, Liebe und darüber, woran wir unser Leben ausrichten.

Was heute noch trägt

Seine Beschreibung der «Marketing-Orientierung»: Menschen erleben sich selbst wie ein Angebot, dessen Wert davon abhängt, wie gut es sich verkaufen lässt. In Zeiten von Selbstdarstellung und ständiger Bewertung wirkt das erstaunlich aktuell. Ebenso die Frage aus «Haben oder Sein», ob wir uns über Besitz und Status bestimmen oder über Tun, Beziehung und Erleben, und der Gedanke aus «Die Kunst des Liebens», dass Liebe eine Fähigkeit ist, die man üben kann. In «Die Furcht vor der Freiheit» beschreibt er, warum Menschen Freiheit als bedrohlich erleben und sich lieber anpassen oder unterordnen.

Was als überholt gilt

Fromm stützte sich auf die psychoanalytische Charakterlehre seiner Zeit, die in der heutigen Persönlichkeitsforschung kaum noch verwendet wird. Seine Charaktertypen sind eher Denkfiguren als gemessene Persönlichkeitsmerkmale.

Was kritisch gesehen wird

Seine Gesellschaftsdiagnosen sind weitreichend, aber empirisch wenig geprüft; Versuche, etwa die Marketing-Orientierung zu messen, gibt es nur wenige. Kritisiert wird auch, dass er nicht nur beschreibt, wie Menschen leben, sondern wertend vorgibt, wie sie leben sollten.

Was wir daraus mitnehmen können

Ein Ziel kann sich richtig anfühlen, weil es nach aussen gut aussieht. Es lohnt sich zu prüfen, ob es auch zu dir passt.

Wofür strenge ich mich gerade an: für etwas, das mir wichtig ist, oder dafür, dass es gut aussieht?

Unser Denkanstoss, kein Fromm-Zitat

Fromms Begriffe beschreiben Haltungen in einer Gesellschaft, keine Diagnose einzelner Menschen.

Quelle: Internationale Erich-Fromm-Gesellschaft ↗Quelle: Erich Fromm Study Center, IPU Berlin ↗Kurs, Tag 8: Mein Spiel oder ein fremdes?

Kognitiver Ansatz

Aaron T. Beck

Gedanken wahrnehmen und prüfen

Die Idee

Die kognitive Therapie nach Beck betrachtet die Zusammenhänge zwischen der Bewertung einer Situation, dem Erleben und dem Verhalten. Gedanken können bewusst betrachtet und auf ihre Angemessenheit geprüft werden.

Was wir daraus mitnehmen können

Wir können unterscheiden, was wir beobachtet haben und welche Bedeutung wir dem Geschehen geben. Ein weiterer Blickwinkel muss nicht positiv sein, sondern kann auch einfach genauer oder ausgewogener sein.

Was weiss ich sicher, was vermute ich, und welche andere Erklärung ist ebenfalls möglich?

Unser Denkanstoss, kein Beck-Zitat

Unsere kurze Alltagsreflexion ist keine kognitive Verhaltenstherapie und kein geprüftes Behandlungsprogramm.

Quelle: Beck Institute ↗Eine Situation sortieren

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Von der Idee zur eigenen Frage

Die NHS-Einführung in Gedankenprotokolle zeigt einen strukturierten Blick auf Gedanken und Erleben. Der WHO-Ratgeber «Doing What Matters in Times of Stress» bietet weitere Selbsthilfeanregungen. Beide sind eigenständige Angebote; ihre Prüfung oder Wirksamkeit gilt nicht automatisch für diese Website.

Eine Reflexion beginnen